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Samstag, 21. Januar 2017

Polo-Langzeit-Test Teil 2 – Motorschaden



Der VW Polo 9N begleitet uns schon lange. (Fotos: (c) presseweller)


Bei 64.800 Kilometern war ein Zylinder hin


21. Januar 2017. Siegen (DiaPrw). Mit dem VW Polo 9N 1,4-Liter-Benziner, 75 PS (55 KW), Baujahr 2005, waren wir überwiegend zufrieden. So steht es auch im veröffentlichten ersten Teil unseres Langzeit-Tests bei über 60.000 Kilometern aus dem Vorjahr. Die bis dahin aufgetretenen kleineren Mängel sind dort ebenfalls aufgeführt. An den nicht niedrigen Kraftstoffverbrauch haben wir uns gewöhnt. Sparsam geht anders. Mittlerweile beträgt der Kilometerstand zirka 69.500. Zwischendrin passierte aber ein richtig „dickes Ding“. Trotz aller durchgeführten Inspektionen und Wartungsdienste von Beginn bis heute wurde bei 64.800 Kilometern ein kapitaler Motorschaden festgestellt: ärgerlich und teuer. In unserer „Autogeschichte“ gab es das noch noch nie bei solch einem niedrigen Kilometerstand! Unsere Autos verschiedener Hersteller haben wir oft bis über 100.000 und sogar bis über 200.000 Kilometer gefahren! Vielleicht war unser Volkswagen ein Ausnahmefall.

Der Polo war uns bis dahin ein guter Begleiter, auch auf längeren Strecken. Platz genug für uns und das Gepäck. Im Rahmen der Leistung ausreichend schnell. Die Mängel waren über die vielen Jahre gesehen überschaubar. Inspektionen, Wartungen und Reparaturen erledigte und erledigt das VW- und Skoda-Autohaus Nies in Wilnsdorf stets zuverlässig. An einen Motorschaden hatte niemand gedacht. Bemerkt wurde er auch nicht. Schließlich fuhr das Auto wie immer, auch noch, als der schwerwiegende Mangel entdeckt wurde.

Zur Hauptuntersuchung 2016 kam das Dilemna

Zur Hauptuntersuchung, die im April 2016 anstand, wird auch die AU durchgeführt. Klappte nicht. Die erforderlichen Werte wurden nicht erreicht. Man informierte uns seitens des Autohauses. Verschiedene Überlegungen: Zündkerze, Zündkabel und weitere „einfache“ Sachen. War nicht! Kompressionsprüfung. Zylinder 3 arbeitet nicht richtig. "Wenn man den Ölstab zieht, hört man ein Zischen. Flüssigkeit läuft wohl in die Ölwanne", sagte man uns. Dem Meister nach musste der Schaden „tiefer“ liegen. Um mehr herauszufinden, erfolgte – aufgrund anfallender Kosten nach Absprache – die Demontage des Zylinderkopfes. Ventile fielen als Ursache aus. Dritter Zylinder nicht dicht, obwohl die Kolbenringe intakt zu sein schienen. Leider kapitaler Motorschaden. Einzige Alternative: neuer Teilemotor. Na klasse!

Niemand bemerkte es

Der Polo fuhr bis dahin normal, wie immer. Im Leerlauf hörte es sich manchmal so an, als wenn er sich kurz verschluckte, einen Mini-Aussetzer hätte. Das macht er immer noch. Aber er fuhr wie immer und sprang stets wie gewohnt schnell an. Leistungsverlust war nicht bemerkbar. Auch bei den Inspektionen vorher gab es nie Auffälligkeiten. Das Auto wurde stets vorm Abstellen warm gefahren, in der Kaltlaufzeit nur sanft beschleunigt und nie überdreht. Alles gute Zutaten für ein langes Motorleben.
Es ist so ähnlich wie bei Krankheiten und den Gesprächen mit Ärzten: „Warum ist das so, wie kommt das?“ Manches bleibt eben erst einmal unbekannt.  So ging das hier auch weiter, nachdem wir uns mit dem Werkstattmeister beim Autohaus beraten hatten. Da wir reparieren und noch kein neues Auto wollten, erhielten wir ein detailliertes Angebot. Die Reparatur, der neue Teilemotor, Zahnriemen usw. sowie AU und Hauptuntersuchung – ohne Beanstandungen bis auf Rostflecken auf dem Endschalldämpfer – inklusive, hat rund 3390 Euro gekostet. Kein Schnäppchen. Seitdem läuft der Polo wieder so weiter. Hoffentlich noch länger.


Hier hat der Motor schon seine Grunderneuerung hinter sich.

Keine Veränderungen

Interessanterweise lief der Polo nach der umfassenden Reparatur genau wie vorher, vom Anspringen bis zum Fahrbetrieb. Eine Leistungsänderung konnten wir nicht feststellen. Hoch geblieben ist auch der Verbrauch. Ein Kostverächter war er nie. Aktuell liegen wir bei Mischfahrweise aus Kurz- und längeren Landstraßenfahrten meist bei an oder über neun Litern pro 100 Kilometer, bei frostigen Außentemperaturen genehmigt sich der Motor auch mehr. Muss man sich einmal vorstellen für ein kleines 75-PS-Auto. Nur bei Langstreckenfahrten, wie erst Ende Dezember wieder getestet, begnügt sich unser Polo mit teils unter acht und je nach Autobahntempo sogar nur mit um die sieben Liter. Bei wenigen Landstraßenfahrten und rund 90 Prozent Autobahn bei insgesamt rund 730 Kilometern notierten wir 6,95 Liter/ 100 Kilometer. Das geht in Ordnung. Angesichts der Diskussionen und mehr um Verbrauchs- und Abgaswerte müssen wir allerdings gestehen, dass wir unser Auto, wie auch viele andere, nicht nach diesen beiden Werten aussuchen, sondern danach, ob es uns gefällt und zu uns passt. Es wie bei der Hausheizung: Angegebene Normwerte sind immer etwas anderes als die Werte, die sich beim individuellen Gebrauch ergeben!

Sonstige Bewertungen
+ für die Fahrzeugklasse gute Platzverhältnisse für Passagiere und Gepäck
-  tiefer Gepäckraumladeboden
+/- Laufruhe geht für die damaligen Verhältnisse in Ordnung (heutige moderne Fahrzeuge, auch in dieser Klasse, sind oft akustisch zurückhaltender)
++ übersichtlich angeordnete Instrumente, klare Beschalterung
++ gute Heizung
++ Radio der damaligen Zeit - sehr praktisch, da ganz einfach einstellbar, auch bei Senderwechsel: ohne Firlefanz mit intuitiver Bedienung über Drehknöpfe und Tasten
++ Drehradbedienung für punktgenaue Rücksitzlehneneinstellung (sonst gibt es heute oft Hebelgriffe)
++ Becherhalter vorne oben rechts zum Einschieben. Halten wir für praktischer als die heute üblichen Rundeinlässe im Mittelkonsolen-/ unteren Armaturenbereich
+++ Batterie ist nach über elf Jahren noch zuverlässig.   (jw)

Anmerkungen: Bei Motoren unserer bisherigen Fahrzeuge, auch mit hochgezüchteten Turbomotoren, gab es im mittleren Kilometerbereich nie einen so kapitalen Motorschaden. Manche unserer Fahrzeuge, durchweg Benziner, fuhren wir bis über 100.000, teils bis über 200.000 Kilometer. Alle Angaben nach bestem Wissen, aber ohne Gewähr für Fahrzeugdaten, Zeiten und Bezeichnungen.Irrtum bleibt stets vorbealten. 

Zum Autor: Jürgen Weller fährt seit über 45 Jahren Autos unterschiedlichster Art. Seit über 35 schreibt und veröffentlicht er praxisnahe Testberichte. Zum Test standen und stehen Autos zahlreicher Hersteller und Importeure, vom Kleinstwagen bis zur ausgewachsenen Limousine, vom modernen SUV bis zum Sportwagen, Den Bezug zu Automobilen gewann er bereits in jüngeren Jahren, da er das eine und andere selbst schraubte. Außerdem gab er für Berufsschüler in dieser Sparte Nachhilfeunterricht in Theorie - eben seit jeher "auto-affin". Tests, inklusive „Praxis-Autotest-Report“ und allgemeine Themen, sind ohne Anmeldung stets über die Seite „Auto“ auf presseweller.de abrufbar: http://www.presseweller.de/Auto/auto.html

Dort gelangt man per Klick zum Blog Auto + Verkehr.   

Montag, 31. März 2014

Testsplitter


Pfiffig gestylt: In Kürze gibt's hier mehr über den Hyundai i10 1,2. (Foto: presseweller)


31. März 2014. Siegen (presseweller). Überraschend komfortabel und laufruhig: Der kleine Hyundai, der neue i10, hat uns positiv überrascht. Er bietet ein gutes Handling und ist pfiffig gestylt. Unter anderem wollten wir auch herausfinden, wie sich ein moderner Kleinwagen auf Langstrecken bewährt. Der ausführliche Praxistest ist demnächst hier nachzulesen.
Im Langzeit-Fahrbetrieb nehmen wir seit rund sieben Jahren unseren Polo 1,4, Benziner, unter die Lupe. Auf bisher rund 55.000 Kilometern hielten sich Reparaturen in engen Grenzen. Er ist geräumig und lässt sich gut fahren. Mit dem Verbrauch geht es so. Details in den nächsten Berichten.
Im Mai steht der Venga von Kia auf dem Testplan. Zwar hatten wir schon einige Kias im Praxistest, aber noch keinen Venga.
Gespannt sind wir ebenfalls auf den neuen MINI Cooper. Aber dann ist schon fast wieder Sommer. 

Eine Übersicht zu Praxistests und Auto-Notizen gibt es unter dem Button Auto-Medientexte auf http://www.presseweller.de 

Donnerstag, 8. Dezember 2011

Autotest: Polo TSI




Mit einem attraktiv-schnittigen Styling
wartet der Polo, hier das Modell TSI, auf.
Foto: Jürgen Weller



Von Trab bis Galopp: Polo 1,2 TS im Test


In der Modefarbe Weiß steht der gar nicht mehr so kleine Kleine aus Wolfsburg vor uns. Der Polo ist gegenüber dem Vorgängermodell etwas gewachsen, wobei die auch vorher schon angenehmen Innenraumverhältnisse gefühlt in etwa gleich blieben. Auf Autobahnen, Landstraßen und in der Stadt musste der Kandidat in der Version 1,2 TSI Highline zeigen,was in ihm steckt.
Im hübsch geschneiderten Fünftürer finden die Insassen ordentliche Platzverhältnisse. Der Innenraum ist wohnlich, bietet verschiedene Ablagen und Becherhalter. Die Verarbeitung zeigte sich, wie wir von VW gewöhnt sind, akkurat. Das wird abgerundet durch übersichtliche Instrumentierung und einfache Bedienung. Das Ladeabteil mit doppeltem Boden fasst nach ISO-Messung und je nach Rücksitzstellung zwischen 280 und 952 Liter. Mit dem "doppelten" Boden ist die Ladefläche zwar eben ohne „Tiefgang“, der Kofferraum wirkt dann aber klein. Fürs Reisegepäck sollte man ihn besser ausbauen. Das knackig schaltbare Sechsganggetriebe überzeugte. Akustisch gab sich der Polo bis in hohe Tempobereiche zurückhaltend.
In der Basisversion ist der Polo unter anderem mit Fahrer- und Beifahrerairbags sowie kombinierten Kopf-Seitenairbags vorn sowie elektrischem Stabilisierungsprogramm und Berganfahrassistent ausgestattet. Es gibt elektrische Fensterheber, Zentralverriegelung und mehr. Das Testauto, Version Highline, hatte beispielsweise noch Klimaanlage, Sitzheizung vorn und Tempomat.

Mal lostraben

Das Gaspedal reagiert feinfühlig auf jede Bewegung. Der Motor mit kleinem Hubraum und trotzdem ausreichend Pferdestärken liegt im Trend. Im Fachjargon heißt das Downsizing. Diese „Verkleinerung“ soll vor allem den Kraftstoffverbrauch und damit die Kohlendioxidwerte (CO2) drosseln. Das ist gelungen. Mit nur 1,2 Litern Hubraum bringt der Polo 105 PS (77 kW) an die Kupplung. Dazu haben sich die Techniker unter anderem eines Turbochargers bedient, der Luft in die Zylinder schaufelt. Das hat dann gleich auch ein kräftigeres Drehmoment zur Folge, das mit 175 Newtonmetern zwischen 1550 und 4100 Touren zur Stelle ist und bei jedem Gaspedaltritt kraftvollen Vorschub bringt. Im Schnitt unserer Testwerte vergingen 9,9 Sekunden für den 0-auf-100-Sprint (Werksangabe 9,7), von 60 bis 100 km/h im dritten Gang waren es flotte 5,8 Sekunden, und im fünften waren wir mit 12,4 Sekunden für den Zwischenspurt von 80 auf 120 km/h dabei (Werksangabe 12,5 Sekunden). Als Spitze erfuhren wir knapp den Werkswert: 190 km/h. Ja, der TSI kommt vom Trab bis zum Galopp bestens in die Gänge.
Der Testkandidat konnte auch beim Verbrauch punkten. Je nach Strecke fielen zwischen 5,3 und 6,9 Liter pro 100 Kilometer an, im Testschnitt 5,6 Liter (angegebener Kombiwert 5,3 Liter) – wohl gemerkt: Das ist ein Benziner, kein Diesel!
Der Fronttriebler lag satt und sicher auf der Straße und nahm auch schnell gefahrene Kurven locker unter die Räder und war jederzeit beherrschbar.
Fazit: Im Polo findet die Durchschnittsfamilie ausreichende Platzverhältnisse. In der 1,2-TSI-Version ging er sparsam mit dem Kraftstoff um. Außerdem geht er zügig zu Werke, ob leicht und locker im Trabschritt oder zügig und flott, wenn's denn einmal zum Galopp gehen soll. DIALOGPresseweller/ Jürgen Weller

Dienstag, 9. November 2010

Kraftvoller Auftritt: Golf GTD



Der GTD sieht von allen Seiten gut aus. (Fotos: DialogPresseweller)


Der Testkandidat war flott + sparsam

Siegen/Wolfsburg (dialog/jw). Sein Bruder ist seit Jahrzehnten weltbekannt, der Golf GTI, aber auch der schon seit einiger Zeit neue GTD hat’s faustdick hinter den Ohren. Bei ihm kommt hinzu, dass er nicht mal dieses teure Superbenzin braucht, sondern den preiswerteren Diesel, mit dem er außerdem noch sehr sparsam wirtschaftet. Wie’s im Detail aussieht, konnten wir im Test mit der vier- (beziehungsweise fünf-) türigen Version erfahren.
Der GTD sieht zwar auf den ersten flüchtigen Blick ganz golfig aus, offenbart aber beim zweiten Hinschauen seinen sportlich-dynamischen Look: etwas tiefer gelegt, Wabenkühlergrill, Leichtmetallräder, am Heck einen Spoilerbürzel. Im unten abgeflachten Lenkrad der dezente GTD-Hinweis. So ist hier der optische Eindruck mitsamt dem gewohnt übersichtlichen Cockpit, und so starten wir. Ohne lange Dieselgedenksekunden geht der Motor auf Power. Er läuft ruhig, aber die Akustik-Designer haben ihm bei Beschleunigung so einen dumpf-sportlichen Unterton verpasst. Manche mögen das, weil sich das „sportlich“ anhört. Uns hätte der eher leise Grundton auch gefallen.
Was sich aus zwei Litern Hubraum und 170 PS (125 kW) entwickelt, ist fühlenswert: Bei jedem Pedaltritt geht’s auf Vorwärtsritt. Zwischen 1.750 und 2.500 Touren wuchtet der Motor mit Commonrail-Einspritzsystem und Turbolader ein Drehmoment von 350 Newtonmetern auf die Kurbelwelle. Man spürt’s. Dieser Golf ist fast immer kraftvoll zur Stelle. Von 60 auf 100 km/h ging’s im Testschnitt in gerade einmal knapp vier Sekunden, und von 80 auf 120 in Gang 5 in nur 8,1 Sekunden. Das gibt Sicherheit beim Überholen. Beim 0-auf-100-Sprint lagen wir mit 8,8 Sekunden etwas über der Werksangabe von 8,1. Auf der Bahn liegt der GTD auch bei über 200 km/h (angegebene Spitze 222) noch ganz souverän.
So sicher und leicht beherrschbar ging’s auch durch schnell angegangene Kurven, selbst bei buckligen Straßenverhältnissen. Kaum Versatz, kein Nachlenken, auch auf Normalabstimmung. Der Testwagen konnte außerdem auf Komfort und Sport umgestellt werden. Bei „Sport“ geht’s etwas härter zur Sache. Wenn’s zu sehr „reißt“, hilft das serienmäßige elektronische Stabilitätsprogramm (ESP). Kurz: Für uns war der Golf ein astreiner Kurvengänger.
Bereits in der Basisversion ist der GTD gut, einschließlich Klimaanlage, ausgestattet, wenn es auch eine dicke Liste für Extras gibt. Neben dem ESP sind zur passiven Sicherheit unter anderem je zwei Front- und vordere Seitenairbags, Knieairbag auf der Fahrerseite und seitliche Vorhangbags inklusive.
Dieser Golf ist zwar sportlich ambitioniert, hat aber mit seinen Maßen von gut 4,21 mal knapp 1,78 Metern dennoch Familientauglichkeit, weil es für die Insassen gute Platzverhältnisse gibt und der Kofferraum nach Norm zwischen 350 und, je nach Rücklehnenstellung, 1.305 Liter Fassungsvermögen hat: ebenso problemlos für die Reise wie das Durch-die-Stadt-Wieseln und die Erledigung des Wochenend-Großeinkaufs.
Da bleibt noch die Verbrauchsfrage. Und die konnte im Test überraschend gelöst werden. Trotz des kräftigen und lebendigen Motors ging’s hier bei rund 4,5 Liter pro 100 Kilometer los, im Testschnitt waren’s dann 5,7, angegebener Norm-Kombiwert 5,1 Liter. Feine Geschichte. Da muss man nicht so oft die Tanke anfahren und spart trotz des Kraftschubs.
Klar ist auch, dass man für diesen GTD kaufpreismäßig schon einiges mehr auf den Tisch legen muss als für die Normalversion.